Immer mehr Menschen pflegen ihre Angehörigen Zuhause selbst. Dies kann gesundheitlich, finanziell und emotional anstrengend für die Pflegenden sein.
Um dabei nicht auszubrennen und bei Kräften zu bleiben, kann Humor ein guter Zugang zur dementen Erlebniswelt sein. Wieso das so ist und was man dabei von den Fähigkeiten eines Klinikclowns lernen kann, erzählt uns unser Humortrainer Georg Brinkmann, der zugleich Klinikclown und einer der Künstlerischen Leiter der Klinikclownvisiten bei HHH ist.
HHH: „Humor und Demenz“ – wie geht das zusammen?
Georg Brinkmann (G. B.): Humor ist vor allem eine Haltung, eine bestimmte Sichtweise auf die Dinge, die es ermöglicht, sie leichter zu nehmen. Beim Thema Demenz ist dagegen oft (und zu Recht) Schwere und Tragik im Spiel. Aber eben nicht nur. Humor lebt davon, dass er andere Möglichkeiten aufzeigt, indem er Gegenstände, Situationen und Personen umdeutet. Humor sagt, es könnte auch anders sein. Demenz und Humor haben eine Schnittmenge, denn der Mensch mit Demenz macht dieses Umdeuten ja häufig bis andauernd. Er macht das zwar meistens unfreiwillig, aber er macht es. Darum ist für die Angehörigen oder Betreuenden Humor eine passende Grundhaltung, mit den Symptomen umzugehen. Humor kann dabei von unserer vernünftigen, nicht-dementen Seite ein Schlüssel in die Welt der Demenz sein, das „Andersland“, wie Erich Schützendorf es nennt.
HHH: Welche Fähigkeiten eines Klinikclowns können dabei helfen, einen besseren Zugang zu Menschen mit Demenz zu erhalten?
G. B.: Es gibt eine lange Liste der Gemeinsamkeiten von Clowns und Menschen mit Demenz: sie sind nicht auf Sprache angewiesen, sie agieren sehr körperlich, sie scheitern oft, sie kennen keine Tabus, sie lieben die Mehrdeutigkeit, sie handeln nicht nach Vernunft, sondern nach Bilder- oder Traumlogik, sie sind oft ziel- und planlose Streuner, leben im Hier und Jetzt, gehen ihren Stimmungswechseln nach, sind Außenseiter. Der Unterschied zum Menschen mit Demenz ist, dass beim Clown ein Mensch hinter der Maske ist, der das Ganze steuert. Der Mensch mit Demenz hingegen wird davon gesteuert. Aber wegen all dieser Gemeinsamkeiten und der gemeinsamen Weltsicht dahinter funktioniert der Kontakt sehr gut. Der Clown ist das Kind im Erwachsenen, der Mensch mit Demenz ist ein Mensch, der auf die Verstehens-, Ausdrucks- und Handlungsmodi eines Kindes zurückgreift.
HHH: Was kann man dabei vom Klinikclown lernen?
G. B.: Eines der ersten Dinge, die ein Mensch lernen muss, der einen Menschen mit Demenz betreut ist, dass er diesen nicht auf seine Seite ziehen kann. Wenn der Mensch mit Demenz etwas nicht erinnert, nicht begreift oder etwas nicht Reales erlebt, werden wir ihn nicht mit Argumenten dazu bringen können, sich zu erinnern, zu verstehen oder seine Meinung zu ändern. Wenn wir die Situationen meistern wollen, und zwar mit ihm zusammen und so, dass er dabei seine Würde bewahrt, müssen wir auf seine Seite gehen. Der Clown nimmt alles, was ihm begegnet als Aufforderung zum Spiel. Diese Spielbereitschaft ist auch das Wesentliche, was man vom Clown lernen kann.
Hier können Sie Georg Brinkmann live erleben:
Seit 2024 bietet die Stiftung HHH gemeinsam mit dem Kontaktbüro Pflegeselbsthilfe Bonn/Rhein-Sieg kostenfrei Angebote für Pflegende Angehörige im Raum Bonn an. Die Workshopreihe „Demenz-Impro“ findet im Margarete-Grundmann-Haus in Bonn an den folgenden Terminen von 17-18:30 Uhr statt: 12.05.2025, 07.07.2025, 08.09.2025, 03.11.2025. Anmeldung per e-Mail erforderlich unter: selbsthilfe-bonn@paritaet-nrw.org
Weiterhin hält Georg Brinkmann für die interessierte Öffentlichkeit am 28.05.2025, 17-18.30 Uhr, einen Online-Vortrag zum Thema „Das Zwerchfell wird nicht dement – Humor und Demenz“. Anmeldung per e-Mail erforderlich unter: selbsthilfe-bonn@paritaet-nrw.org